Category Archives: Unser Archipel

Vorhang auf: Ari Bachmann

“Der beste Schriftsetzerlehrling Oberbayerns” sei er gewesen. Geboren gegen Kriegsende im alliierten Bombenhagel auf München. Mit 21 macht er sich selbstständig als Verlagsgrafiker. Fortlaufende Berufstätigkeit bis 1999. “Habe abertausende von Buchumschlägen gestaltet in dieser Zeit,” resümiert Ari lakonisch seine 35 jährige Karriere bis zum Ende des Jahrtausends. Am 1. Januar 2000 – dem klassischen Datum für gute Vorsätze – änderte sich alles: Abbruch, Aufbruch, neuer Anfang. Ari verkauft seine Firma, zieht nach Italien und versucht sich erfolgreich als Skulpteur. “Schmalspurbildhauer” umschreibt er sich tiefstaplerisch. Von Italien zieht er nach Kreta: “war sehr produktiv, habe auch viel ausgestellt” lautet sein knappes ... [ Read More ]

Unser täglich Reis gib uns heute…

Letzte Woche saß ich in einer inselweit bekannten deutschen Gaststätte und verleibte mir daselbst eine Portion köstlicher Rindsrouladen ein. Vor allem der Kartoffelbrei hatte es mir angetan. Triefend von der wunderbaren süß-sauren Rouladensoße, unendlich zart und würzig, und dazu noch die wundervolle Optik der dunklen Tunke, wie sie malerische Schlieren durch den gelben Brei zog. “Gott sei dank,” dachte ich mir, “dass ich mich heute durch die Fahrt nach Kuta vor einem weiteren nasi goreng bewahren konnte.” Doch kulturhistorisch betrachtet war das natürlich ein dämlicher Gedanke. Bis in die frühe Neuzeit herrschte in Mitteleuropa bekanntlich noch der Feudalismus. Zumindest soviel ... [ Read More ]

Blauer Dunst

Quer über die Archipele tobt als eine von mehreren aktuellen Kampagnen derzeit auch jene zur Implementierung der schon vor Jahren verabschiedeten Gesetze zum Schutze sogenannter Nichtraucher. Nun gibt es sicher viel zu meckern hier, aber eines wollen wir doch amtlich festhalten dürfen: für Raucher ist Indonesien noch immer ein Paradies. Nur in Birma haben es Raucher vielleicht noch besser, da brauchen sie das Paffen nicht einmal dann einzustellen, wenn die Maschinen der staatlichen Fluglinie, auch bekannt als “fliegende Flüchtlingslager,” zur Landung ansetzen. Diese Landungen gehen jedoch dermaßen häufig daneben – und setzen immerhin voraus, dass zuvor der Start geklappt hatte, ... [ Read More ]

Sand & Spiele

Sie sind vorbei und haben Spaß bereitet: die ersten asiatischen Strand Spiele. Unter dem Motto “Inspire the World” lud Bali ganz Asien ein, an den Stränden zwischen Kuta und Sanur spielen, und die ganze Welt, dabei zuzuschauen. Verteilt über diverse Austragungsorte gab es eine gute Woche für 19 Sportarten, 45 Nationen, mehr als 2000 Teilnehmer und noch viel mehr Helfer, Assistenten und Freiwillige: imposante Zahlen für die Insel der Götter, die damit nach den hier schon üblichen politischen und wirtschaftlichen Gipfeltreffen nun auch ihr erstes Mega Sport Event feiern sollte. Süffisant hatte die Jakarta Post schon im Vorfeld vermerkt, das ... [ Read More ]

Orch-Ideen

Geboren im Berlin in der Nachkriegszeit, hörte ich von Orchideen als Pflanzen von sagenhafter Schönheit, die, so überhaupt nur kennen zu lernen waren in den noch seltenen Hochglanzmagazinen mit Farbfotos. Oder im Fernsehen, damals ausschließlich in Schwarz-weiß. Oder im Botanischen Garten – kriegsgeschädigt, und wenn man schon mal da war, haben die Dinger nicht geblüht. Bewusst und in voller Pracht nahm ich Orchideen erst viele Jahre später wahr, nämlich auf dem internationalen Abflugsteig des damals noch sehr bescheidenen Flughafens zu Bangkok. Dort hatten sie sich gerade als obligates Reisemitbringsel des langsam einsetzenden Ferntourismus etabliert. Non Plus Ultra für alle, denen ... [ Read More ]

Morgenmarkt

Alle behaupten es, aber anscheinend machen es tatsächlich nur die wenigsten: die Rede ist vom Einkauf auf dem Morgenmarkt, wirklich frisch, original und unschlagbar preiswert. Die Hemmschwelle ist zugestanden hoch: es ist laut, es ist schmutzig, es stinkt, und nach landläufigem Vorurteil ist nicht nur die Auswahl zu klein, sondern man wird als orang asing ohnehin übers Ohr gehauen. Ganz abgesehen von dem enervierenden “Hello Mister” Geplärre, das man üblicherweise über sich ergehen lassen muss und das zu den wenigen Dingen zählt, bei denen die Gleichheit der Geschlechter uneingeschränkt realisiert wurde. So liegt die Versuchung nahe, wo schon nicht einen ... [ Read More ]

Sprachführer Teil 1: Die Kosong & Habis Co. KG

Es waren die ersten Worte, die ich in meiner neuer Heimatsprache zu verstehen lernte: kosong & habis. Soweit jedenfalls suggeriert mir die rührselige Erinnerung. Gleich danach lernte ich dann rusak, hancur und putus, aber zu diesem Komplex wird es ein anderes Mal mehr in unserem kleinen Sprachführer für den professionellen Bali Expat geben. Heute also nur kosong & habis, bei denen es sich, wie jedermann weiß, um unzertrennliche, eineiige Zwillinge handelt – wo der eine erscheint, darf der andere nicht fehlen. Sie gleichen einander aufs Haar, und wollen dennoch nicht verwechselt werden. Es war einmal vor langer Zeit, da herrschte ... [ Read More ]

Pelni

Wir wissen es ja eigentlich alle, aber dennoch sollten wir es uns immer wieder vor Augen halten. Es bestimmt unseren Alltag tatsächlich in beinahe jedem Detail, auch wenn wir es kaum je wahrhaben: Indonesien ist das Land mit den meisten Inseln dieser Erde. Wollte man auf jeder davon nur einen Tag verbringen, und hätte man einen Hubschrauber für die Reise zur Verfügung, würde dennoch selbst ein sehr langes Menschenleben nicht ausreichen. Indonesien sitzt genau auf dem Ring des Feuers, jenem gewaltigen Vulkankringel, der diesen Planeten umgibt, und so wachsen und versinken manche Inseln schneller, als sie überhaupt jemand zu zählen ... [ Read More ]

Der Parkwächter

Die morgendliche Fahrt zum Markt war mir bisher perfekte Ergänzung zur ersten Tasse heißen Kaffees: unwiderrufliches Signal, dass die Nacht vorbei war und ich der Versuchung widerstanden hatte, mich von der frühen Tropensonne in die nächste Traumrunde lullen zu lassen. Zumal sich beides – Kaffee wie Morgenmarkt – als Elemente prognostizierbarer Stabilität und verlässlicher Qualität etabliert hatten, die dem täglichen Tsunami aus Veränderungen und Mikrokatastrophen in meiner kleinen Welt trotzten. Seit einem Jahr hat sich das geändert. Nunmehr ist der Besuch des Morgenmarktes zu einem Abenteuer geworden, mal Leidensweg, mal Sportereignis, und welches der beiden, lässt mich meine jeweilige Tagesform ... [ Read More ]

Ramadan

Der Mann vom Sate Stand erinnerte mich daran, dass es wieder so weit war. Genauer gesagt, erinnerte mich nicht der Mann daran, sondern seine Abwesenheit. Auch der Sate Stand zwei Ecken weiter war verwaist, ebenso der dritte Stand noch ein paar Ecken weiter: der Fastenmonat stand bevor, der jährliche Exodus der Javaner Richtung Heimat hatte begonnen. Das Glück ist mit den Abwesenden: wer sich die Reise leisten kann, hat gepackt und ist fort. Sate hatte sich heuer offenbar gut verkauft. Wer geblieben ist, hat letztes Jahr wahrscheinlich sein wirtschaftliches Planziel nicht ganz erreicht oder arbeitet noch daran. In diesem Sinne ... [ Read More ]